Über uns

DIE GESCHICHTE VON DER JUNGEN LIEBE ZUM ALTEN TANZ.

Viele fragen sich wahrscheinlich, warum sich ein ganzer Haufen – vermeintlich –vernunftbegabter Menschen allwöchentlich zusammen findet, um Tänze zu erlernen, die nach Originaltanzschriften rekonstruiert wurden, deren Choreographen zum Teil schon über 500 Jahre tot sind.

 

Die „Beweggründe“ sind ganz unterschiedlich:

Zu Allererst ist es eine wunderschöne & elegante Art, sich mit anderen tänzerisch im Raum zu bewegen, sich gegenseitig zu unterstützen – & zu fordern.

Darüber hinaus ist es eine lebendige Form des Lernens – es geht nicht nur um Schrittfolgen, Armhaltungen & Raumwege – obwohl diese das Hirn ganz schön auf Trab halten. Man bekommt auch ein vielschichtiges Bild von Gesellschaft im Wandel der Jahrhunderte. Wie sind die Menschen miteinander umgegangen? Welche Kleidung haben sie getragen? Was war populär – & was ein gesellschaftlicher Faux-pas? Es geht also nicht nur um das Tanzen an sich sondern auch um Kultur-, Sozial- oder Musikgeschichte, Kostümkunde usw. usf.

Außerdem ist es immer wieder eine Freude, andere auf unsere Zeitreise mitzunehmen & die Zuschauenden mit unserer Begeisterung für Alte Tänze anzustecken. Auch wenn man sich zuweilen vor den Aufführungen fragt, warum man diese nun wieder wieder zugesagt hat. Das Trainingsprogramm wird strenger, man kommt an seine Grenzen, tanzt aber immer auch einen Schritt weiter & entwickelt sich.

Ach ja … – & weil es ganz einfach Spaß macht in just dieser Gruppe zu tanzen.

 

Einige von uns waren eh‘ schon seit Jahren in Volks- oder Bauchtanzgruppen und wollten das „hysterische“ Tanzen dann auch noch ausprobieren – & sind mit Genuss hängen geblieben & lassen sich nur allzu gerne in frühere Zeiten entführen.

Andere haben einfach zu viele Jane-Austen-Bücher gelesen und mussten einfach Altenglische Country Dances lernen.

Für die nächsten passt ein schöner alter Tanz immer gut auf ein Mittelalterfest oder einen Liverollenspielball.

 

Und so finden sich seit 1989 jeden Dienstag Abend Tanzbegeisterte aus Lüneburg und Umgebung zusammen, um z. B.  Italienische Balli aus dem Quattrocento, Französische Galliarden und Branles aus dem 16. Jahrhundert, John Playfords Sammlung „The English Dancing Master“ oder die stilisiertere Form des Contre-Danse aus dem Rokoko unter Anleitung von May Pause zu erarbeiten.

 

MAY.

May Pause ist für uns der Höfische Tanzkreis Lüneburg – ob sie es nun hören beziehungsweise lesen mag oder nicht. Sie selbst ist viel zu bescheiden, um sich in den Vordergrund zu „tanzen“, aber durch ihre Vielfältigkeit ist sie uns Antrieb & Vorbild in einem. Wir sind sozusagen ihre größte Fangemeinde.

Sie ist die Multifunktionsfrau, unser V10-Motor & wir stellen uns immer wieder aufs Neue die Frage wie viele Stunden ihre Tage haben mögen.

Sie wählt nicht nur aus ihrem umfangreichen Repertoire fachkundig diejenigen Tänze aus, mit denen wir uns dann jeden Dienstag Abend „herumplagen“ dürfen, sie spielt – wenn diese einmal fehlen sollte – die Tanzmusik auf dem Cembalo oder Klavier schnell ein oder arrangiert die Musik – mehrstimmig – für unsere Livemusizierenden.

Die Ideen gehen ihr anscheinend nie aus – sie erarbeitet ständig neue Aufführungskonzepte & kaum ist ein Auftritt über die Bühne gebracht, sprudelt schon wieder der nächste Einfall aus ihr heraus.

Damit wir auf der Bühne ein gutes Bild abgeben, schneidert May schon einmal tatkräftig für den halben Tanzkreis neue Bühnengewandungen oder bringt unsere Rokoko-Perücken auf Vordermann.

Sie bildet sich tänzerisch stetig weiter & besucht regelmäßig Seminare bei Tanzlehrenden wie Ingo Günther, Lieven Baert, Kaj Sylegard oder Veronique Daniels. Dieses Wissen gibt sie nicht nur Dienstag abends weiter, sondern sie studiert im kleineren Kreis zudem Solochoreographien oder Tänze für zwei Paare ein & motiviert uns damit zusätzlich.

Als junge Studentin an der Hochschule für Musik in Berlin hatte sie das große Glück in der von Professor Karl Heinz Taubert aufgebauten Tanzgruppe mitzutanzen.

Taubert beschäftigte sich seit den 1950er Jahren intensiv mit historischen Tänzen & machte diese durch seine Publikationen über die Geschichte und die Choreographien von Höfischen Tänzen im deutschsprachigen Raum bekannter. Den Enthusiasmus, der ihm bei der Erforschung und Verlebendigung historischem Tanzguts nachgesagt wurde, hat er zweifelsfrei an seine Studentin May weitergegeben. Sie bezeichnet das historische Tanzen als ihr „beglückendes Hobby, ohne das ihr Leben ärmer wäre“.

Ohne May wäre unser Leben ärmer.

 

 

Schreibe einen Kommentar